Geburt Geburt
Eröffnung des Internationalen Hebammenkongresses im April 2002
Die Feier fand im Stephansdom statt. Ein buntes Bild bot sich, denn Hebammen aus aller Welt waren gekommen und hatten für diesen Anlass ihre landestypische Kleidung angelegt. Es gab Gelegenheit auch einige Damen aus dem Iran zu begrüßen.
bismi llahi ar-rahmani ar-rahim
Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Und die Wehen trieben sie (Maryam) zum Stamm einer Palme. Da klagte sie: „O wehe mir! Wäre ich doch vordem gestorben und ganz und gar in Vergessenheit geraten!“. Da rief es unter ihr: „Sei nicht traurig. Dein Herr hat schon unter dir ein Bächlein hervorgebracht. Und biege den Stamm der Palme zu dir. So werden frische Datteln auf dich herabfallen. So iss und trink’ also und sei frohen Mutes.“ (Koran, Sure Maryam, Verse 23-26)
Unter dem Titel „Maryam“ ist eine ganze Sure des Koran der Mutter Jesu gewidmet. Diese besondere Wertschätzung darf auch als Ausdruck der Achtung gegenüber der Frau an sich als gleichwertiger Partnerin des Mannes verstanden werden. „Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter,“ lautet ein bekannter Ausspruch des Propheten Muhammad.
Die eben gehörten Koranverse veranschaulichen die Umstände der Geburt in einer Weise, dass viele Frauen sich in den Worten Maryams, Marias, wohl wiederfinden können, wenn sie an eigene Erfahrungen bei der Geburt ihrer Kinder denken.
So werden die Verse oft von Gebärenden oder dem werdenden Vater, der sie begleitet rezitiert. Kraft und Trost kann aus dem Gedanken erwachsen, dass Gott die Frau so geschaffen hat, dass sie einer Geburt von sich aus im wahrsten Sinne des Wortes „gewachsen“ ist. Viele Erstgebärende schildern die Geburt als beglückende Erfahrung. Sie konnten ihren Körper als offensichtlich mit der an sich neuen Aufgabe bestens vertraut erleben. Sich auf natürliche Abläufe wie die Wehen einzulassen und sie aktiv zu begleiten steigert die zuvor unbekannten Kräfte noch und verstärkt die Empfindung eines „es geschieht wie von selbst“.
Maria überwindet die Angst vor dem Geburtsschmerz. Gott erhört ihr Rufen und sie kann versichert sein, dass ihr Vertrauen in Ihn belohnt werde. Wie kaum eine andere Situation birgt die Geburt die Möglichkeit, Vertrauen und Hingabe in Gott als unmittelbar aufs Positivste rückwirkend zu erleben. Im Islam, der diese Haltung als Weg Frieden zwischen Mensch und Gott, zwischen Mensch und Gemeinschaft herbeizuführen, sozusagen als Programm im Wort selbst trägt, werden die Stunden der Geburt ganz besonders bewertet. Von einer Gebärenden sagt man, dass ihren Bittgebeten besondere Beachtung zuteil wird. Vor einer Geburt wünscht man einer Frau so nicht nur alles Gute, sondern erinnert daran, dass sie auch Dua’, Bittgebete, während der Wehen sprechen möge.
Nach dem Vorbild Marias nehmen viele muslimische Schwangere zur Geburt Datteln zu sich, die wie wir heute wissen Oxytocin enthalten, das wehenfördernde Hormon.
Die Hebamme kann wie keine zweite auf die Gebärende eingehen und sie über ihre Fachkenntnisse hinaus menschlich unterstützen. Ihr Mut zusprechen, auf die eigenen schlummernden Fähigkeiten zu vertrauen. Die Kinder des Propheten Muhammad wurden mit Hilfe der selben Hebamme zur Welt gebracht. Sogar ihr Name Salma ist uns überliefert, was die große Wertschätzung für diesen Beruf verdeutlicht.
„Allah lädt keiner Seele mehr auf, als sie zu tragen vermag.“
Nicht immer laufen Geburten komplikationslos ab. Als Hebamme ist man auch berufen, einer Frau beizustehen, die hier Schweres durchmachen muss. Das Wunder des Lebens täglich aufs Neue so unmittelbar zu begreifen, schließt hier auch ein, in traurigen Situationen eine Stütze zu sein.
Wenn wir hier das Leben zu feiern zusammenkommen, kann man die Augen nicht verschließen vor dem Leid der Frauen, die ohne geburtshilflichen Beistand unter widrigsten Bedingungen ihre Kinder zur Welt bringen.
Der islamische Friedensgruß bilde den Abschluss dieser kurzen Gedanken. In unserem Kontext ergibt sich ein schönes Zusammenspiel, dass die Barmherzigkeit Gottes, die als Gruß für den anderen erbeten wird, in der arabischen Sprache auch das Bild des Mutterschoßes wachruft. Denn die Wörter gehen auf die gleiche Wurzel zurück – rahma = Barmherzigkeit, rihm = Mutterschoß.
So sei Friede mit euch und die Barmherzigkeit und Gnade Gottes.
Wa as-salamu alaikum wa rahmatu llahi wa barakatuhu.
Wunsch am Ende des Programms:
Jedes Kind trägt eine Botschaft der Hoffnung mit sich, wenn es mit eurer Hilfe zu Welt kommt. Möget ihr diese Hoffnung in Liebe weitergeben können!
__________________ İmtisali cahidu fillah olubtur niyetim,
Dini islamın mücerred gayretidir gayretim.
Fazlı Hak ve hikmeti cündü ricalullah ile,
Ehl-i küfrü serteser kahreylemektir niyetim.
Embiyau evliyaya istinadım var benim,
Lütfü Haktandır hemen ümidi fethu ve nusratım.
Nefsim ve malımla nola kılsam cihanda içtihad,
Hamdülillah var gazaya sad hazaran rağbetim.
Ey Muhammed! Mucizatın Ahmedi muhtar ile,
Umarım galib ola Edayı dine devletim! |