Pauschalverdächtigungen wären „das Falscheste, was wir machen können“. Islamische Glaubensgemeinschaft besorgt über populistische Tendenzen - Rede anlässlich des Iftar-Fastenbrechens
Nach den Festnahmen mutmaßlicher Terroristen warnte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer vor einem Generalverdacht gegen Muslime. Er habe Vertreter der Religionsgemeinschaften zum Dialog eingeladen habe. „Der Feind ist nicht der Islam oder Minarette. Der Feind ist Terror, Diktatur und Verleugnung von Demokratie“, sagte er in der TV-„Pressestunde“ und warnte zugleich vor Pauschalverdächtigungen einer Bevölkerungsgruppe: „Das wäre das Falscheste, was wir machen können.“
Der Kanzler verwies auf die Religionsfreiheit: "Es steht jeder Religionsgemeinschaft frei, die Gebetshäuser zu errichten, die zur Ausübung der Religion nötig sind. Ihm sei lieber, sie täten das in einer offiziellen Moschee als in Hinterhof-Lokalen, die man nicht kontrollieren könne.
Erschüttert über vereinzelte verbale Angriffe, zeigte sich der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Anas Schakfeh. Man müsse einen scharfen Trennstrich zwischen der Glaubensgemeinschaft, die "über 90 Prozent" der 400.000 Muslime in Österreich vertrete und den drei verhafteten Islamisten ziehen, so Schakfeh.
Die "Islamische Jugend" aus Österreich, der der Hauptverdächtige angehöre, sei eine "isolierte Gruppe" mit fünf Mitgliedern. Schakfeh warnte davor, die Situation zu dramatisieren. Zwar seien nicht alle Muslime integriert. Viele Probleme, die es in anderen europäischen Ländern gebe, kennt man in Österreich aber nicht.
Besorgt zeigte sich die Glaubensgemeinschaft, dass populistisch geschürte Ängste, etwa Ausdrücke wie "artfremd", das Klima vergiften könnten, in Anspielung auf Aussagen des Niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll (VP) über den Bau von Minaretten.
"Wirklich schockiert" ist man über den Verlauf der Demonstration gegen den Ausbau eines islamischen Kulturzentrums in Wien, bei dem Rufe nach "Anzünden" laut geworden sind. Dem Protest einer Bürgerinitiative hatten sich neben FP-Chef Heinz-Christian Strache auch einige Dutzend neonazistisch gekleidete Jugendliche angeschlossen.