Es konnte nur eine Frage der Zeit sein, bis gewisse hiesige „Daham statt Islam“- Populisten aufs Abschreiben jener gerade in der Schweiz oder in Deutschland umstrittenen Thesen verfallen würden, die Muslime einmal mehr in ein zwielichtiges Eck drängen wollen. - Um dann geradezu absurde Forderungen nach Einschränkung der Religionsfreiheit für Muslime zu erheben. Möglichst polemische Versatzstücke eines hysterischen Diskurses, am besten mit pseudoseriösem Touch durch ein paar scheinbar wissenschaftliche Begriffe werden montiert: „Islam als eine politische Manifestation“, „Weltherrschaftsanspruch“, „Scharia gegen Rechtsstaatlichkeit“ – das wird auch von so manchem Nichtrechten bereitwillig abgenickt. Das dreiste Ausloten des Grades von Demagogie stimmt bedenklich, spiegelt es doch wieder, welche sachlich falschen Thesen im Mainstream aufgehen.

Die selbsternannten Kulturkämpfer wären die letzten, die jede von ihnen so vehement eingeforderte erfolgreiche Integration würdigen könnten, gingen sie doch damit nicht nur der Eigendefinition über Abgrenzung, sondern ihrer Parteigänger verlustig. Zum Thema Islam und Integration sauber recherchieren – einmal nachlesen, wie sich die Muslime wirklich positionieren, auch theologisch? Das könnte ja die einseitige Optik nur stören… Und genau an diesem Punkt ist anzusetzen.
Aufklärung tut dringend Not, wobei auch diffuse Ängste der Menschen nicht heruntergespielt werden dürfen, gerade wenn sie durch Desinformation noch geschürt werden, etwa jene „der Islam wolle alles unterwerfen“. In Ignoranz des islamischen Selbstverständnisses wird so Stimmung gegen Muslime gemacht, um angeblich „nachzuweisen“, Muslime seien „religiös verpflichtet“ ein nicht-muslimisches Umfeld als „feindlich“ wahrzunehmen, woraus sich gar die Berechtigung zu Gewalt ableite. – Ein haarsträubender Unsinn, der leicht zu widerlegen ist. Schließlich ist es eine Tatsache, dass jene mittelalterliche Einteilung der Welt in ein „Haus des Krieges“ und eines des „Friedens“, die längst im Diskurs keine Relevanz mehr besaß, auch von Autoritäten der Muslime als eindeutig überholt zurückgewiesen wird. Es ist falsch, sie als Beleg für die behauptete Feindseligkeit der Muslime zitieren zu wollen. Die Teilung hatte sich zeitbedingt vor hunderten Jahren als Reaktion auf die reale Welt entwickelt, in der Kreuzzüge, die Reconquista, die mit Entdeckungsreisen verbundenen Eroberungen und die beginnende Kolonialzeit ein für Muslime feindseliges Klima außerhalb der muslimischen Welt schufen. Nie wurde sie aber als theologischer Begriff in einer Weise verstanden, als handele es sich hier um einen „Glaubensgrundsatz“, noch hätte dies je das theologische, im Koran niedergeschriebene Verständnis der Welt als pluralistisch, gottgewollt in vielfältige Gemeinschaften geteilt, trüben können. Daraus leitet sich schließlich der Toleranzgedanke im Islam ab. „Kein Zwang im Glaube!“ (2:256)
In Österreich deklarierte die Europäische Imamekonferenz 2003 in Graz ausdrücklich, dass Muslime in Europa in geordneten rechtsstaatlichen Beziehungen lebten, sich zum Rechtsstaat bekennen und die mittelalterliche Einteilung daher klar abzulehnen sei. Da erklären sich der Muslim/die Muslimin unermüdlich, wie eine Identität als Muslim/in konform geht mit dem Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten, nur um wieder von irgendwelchen selbsternannten Islamexperten zu hören, im Grunde gehe es im Islam ja darum „die Ungläubigen niederzumachen“.
Populisten füttern ihr Publikum geschickt mit dem, was es hören will. Der Aufbau gegenseitigen Vertrauens ist unabdingbar. Gemeinsame Werte gelten entdeckt zu werden. Sie müssten nicht nur theoretisch erlesen, sondern praktisch erlebt werden können: der berühmte „Dialog an der Basis“.