Mit größter Schärfe und in aller Deutlichkeit ist die Zerstörung der Minarette in Samarra im Irak zu verurteilen. Hier rückt jene dramatische Entwicklung unmenschlicher Verrohung in den Brennpunkt, die den Irak aufs schwerste belastet und seine Einheit massiv gefährdet.

Derartig symbolträchtige Akte des Hasses werden von Kriegstreibern skrupellos eingesetzt, um Zwietracht zwischen Sunniten und Schiiten zu säen. Ihnen geht es um die Spaltung des Irak. So ist alles daran zu setzen, Stimmen der Vernunft und der Mäßigung Gehör zu verschaffen, die zu Besonnenheit und zur Einstellung jeder Gewalthandlung mahnen.
Sunniten und Schiiten eint der Islam, der in seinem Selbstverständnis ein Bekenntnis zur Vielfalt, zum Pluralismus auch der Rechtsschulen trägt. Wer Schiiten zu „Ungläubigen“ erklärt und daraus gar einen Status als quasi „vogelfrei“ ableiten will, macht sich in mehrfacher Weise schuldig. Dabei fällt das in Kauf nehmen menschlicher Opfer am schwersten ins Gewicht.
Der Irak ist nicht der einzige Krisenherd im Nahen Osten, den die Muslime weltweit am heutigen Freitagsgebet in ihre Bittgebete einschließen. Dabei möge das Gebet auch eine Stärkung persönlichen verantwortlichen Handelns im Einsatz für einen gerechten und menschlichen Umgang erbringen.
Dazu sei an folgenden Koranvers erinnert:
„…Und hätte Allah nicht die einen Menschen von den anderen abgehalten, wären Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen Allahs Name häufig gedacht wird, bestimmt zerstört worden…“ (22:40)